Teneriffa 2007: Powerwanderurlaubstagebuch
Im vergangenen Jahr waren meine Frau und ich zwei Wochen lang auf der grünen Kanareninsel La Palma wandern. Auf mehreren Wanderungen hatten wir seinerzeit sehnsüchtig zur Nachbarinsel Teneriffa hinübergeschaut, deren höchste Erhebung gleichzeitig der höchste Berg Spaniens ist: der Teide mit 3718 Metern. Da wollten wir hinauf. Deshalb, und weil das Wetter wegen der geringeren Entfernung zum Festland stabiler und über das Jahr gerechnet noch milder als das auf La Palma ist, haben wir uns in diesem Jahr für Teneriffa entschieden.
Während in Deutschland ekliges Schmuddelwetter mit diversen Überflutungs- und Schneekatastrophen herrschte, waren auf Teneriffa bei 22 bis 27 °C tagsüber Shorts und T-Shirt angesagt. Abends musste man sich bei Temperaturen um 16 °C gelegentlich lange Hosen und einen etwas dickeren Pulli überstreifen. Wir hatten Glück: Es hat an keinem einzigen der 14 Tage geregnet, obwohl an zwei, drei Tagen arg düstere Wolken über die Berge zu uns an die Nordwestküste herüberzogen.
Mittwoch, 7.11.
Flug von Hannover nach Teneriffa Süd. Erst am Abend angekommen. Schnell noch im nächsten Supermarkt ein paar Leckereien eingekauft und verspeist. Früh schlafen gegangen — in die erste Wanderung wollen wir ja gut erholt starten.
Donnerstag, 8.11.
Herrje, ist das Bett hart und wackelig! Deshalb schon vor sieben Uhr aufgestanden. Frühstück gibts leider erst um halb neun. Irgendwie schaffe ich es, mir die Zeit bis dahin zu vertreiben.
Nach dem Frühstück schwingen wir uns ins Auto. Weit ist die Anfahrt zum Startpunkt unserer heutigen Wanderung zum Glück nicht (Tour Nummer 13 aus dem Rother-Wanderführer, 6. Auflage 2007). Start in Icod el alto, Ziel in La Guancha. Vom Ziel zum Start zurück gehts per Bus (Linie 354; 1,50 € pro Person).
Die Wanderung beginnt mit einem rund sechs Kilometer langen sehr steilen, aber gut zu begehenden Anstieg mit 800 Meter Höhendifferenz, für den wir fast zwei Stunden benötigen. Nahezu höhenparallel führt uns die Wanderroute danach zu dem im August abgebrannten Teil des Walds.
Der Abstieg verläuft zum längsten Teil auf einem breiten Forstweg, was den Spaßfaktor drastisch herunterschraubt. Erst auf den letzten vier Kilometern wirds dank holpriger Singletrails wieder kurzweilig.
Fazit: Zum Wandern wegen unspekatulärer Wegeführung und kaum vorhandener Aussichtsmöglichkeiten nicht so toll, für Läufer, die den Anstieg zu Anfang nicht scheuen, aber durchaus empfehlenswert.
| Distanz | 21,9 km |
|---|---|
| Höhenmeter | +880m, –830m |
| Dauer | Soll (netto): 6h00, Ist (brutto): 5h31‡ |
| GPS-Track | GPX |
| ‡) circa eine halbe Stunde Umweg wegen Wegsperrung eingerechnet | |
Freitag, 9.11.
Eigentlich wollten wir uns heute die Órganos (eine mit viel Fantasie an Orgelpfeifen erinnernde Felsformation) unweit des Picknickplatzes La Caldera in der Nähe von Aguamansa anschauen und den im Rother-Wanderführer vorgeschlagenen Órganos-Höhenweg ablaufen. Wegen einer ungenauen Beschreibung landen wir allerdings auf der Tour 8: Im Führer steht "… vorbei an der Choza de Pedro Gil (knapp 10 Min., nicht rechts; Wasserstelle) …". Dummerweise gehts an der betreffenden Stelle aber nicht nur rechts, sondern auch links und geradeaus. Wir entscheiden uns für geradeaus; links wäre richtig gewesen.
Fazit: Recht kurzweilige, aber auch anstrengende Wanderung größtenteils durch Kiefernwälder. Stellenweise hüfttief vom Regen ausgewaschene Wege. Für Läufer nur bedingt geeignet, es sei denn, man will einmal kräftig rauf und dann dieselbe Strecke wieder bergab rennen.
| Distanz | 9,4 km |
|---|---|
| Höhenmeter | +830m, –830m |
| Dauer | Soll (netto): 4h00, Ist (brutto): 3h26 |
| GPS-Track | GPX |
| ‡) Start nicht in Aguamansa, sondern am Picknickplatz La Caldera | |
Samstag, 10.11.
Heute wollen wir die Tour 5 finden, die ja eigentlich schon gestern auf dem Programm stand. Diesmal klappts. Nach einem sanften Start über einen etwa 2,5 Kilometer langen, leicht abschüssigen, sehr bequem zu begehenden Fahrweg gehts 300 Meter in der Vertikalen steil zum permanent undulierenden Höhenweg hinauf, wo uns immer wieder tolle Blicke ins Orotava-Tal erwarten. Hach, wenns doch nur nicht so diesig wäre, dann könnten wir wie seinerzeit Alexander von Humboldt das "anziehende, durch die Verteilung von Grün und Felsmassen so harmonische Gemälde" ungetrübt bestaunen.
Fazit: Von einer "wildromantischen Höhenwanderung" und einem "spektakulären Bergvergnügen", wie es der Wanderführer beschreibt, ist die Tour zwar weit entfernt, dennoch gehört sie zu den abwechslungsreichsten und schönsten Wanderungen unseres Urlaubs. Für Wanderer und höhenmetergierige Läufer gleichermaßen gut geeignet.
| Distanz | 11,7 km |
|---|---|
| Höhenmeter | +600m, –600m |
| Dauer | Soll (netto): 4h00, Ist (brutto): 3h36 |
| GPS-Track | GPX |
Sonntag, 11.11.
Sonntag ist Sonntag ist Sonntag — zumindest im Urlaub ein fauler Tag, na ja, nicht ganz: Eine Wanderung haben wir zwar nicht unternommen, wohl aber habe ich 14 Runden à 800 Meter und 25 Meter Höhenunterschied im direkt neben dem Grundstück "unserer" als Unterkunft sehr zu empfehlenden Finca San Pedro gelegenen Palmengarten (Rambla de Castro, hat nix mit Fidel zu tun) gedreht. Zuvor haben wir ein bisschen Kraft mit Lustwandeln im botanischen Garten von Puerto de la Cruz geschöpft.
Montag, 12.11.
Morgen wollen wir auf den Teide, aber nicht wie die Standardtouristen nur bis zur Aussichtsplattform auf 3560 Meter Höhe, sondern in den geschützten Bereich ganz nach oben. Dazu haben wir uns in Santa Cruz de Tenerife die Erlaubnis zur Gipfelbesteigung besorgt. Ohne Erlaubnis und Ausweis kommt man nicht auf den Gipfel. Die Nationalparkbehörde beschränkt nämlich den Zutritt aus Naturschutzgründen auf maximal zehn Personen gleichzeitig. Deshalb muss man sich schon bei der Antragstellung für Datum und Zeitraum (9–11 Uhr, 11–13 Uhr, 13–15 Uhr) der geplanten Gipfelbesteigung entscheiden. Wir wählen den morgigen Dienstag von 11 bis 13 Uhr. Die Genehmigung bekommt man montags bis freitags zwischen 9 und 14 Uhr kostenlos(!) im Büro des Nationalparks (Ofinica del Parque Nacional, Calle Emilio Calzadilla 5, 4. Etage). Kopien des Personalausweises jeder Zutritt begehrenden Person sind mitzubringen. Die Besitzerin des Papierwarenladens im direkt gegenüber des Nationalparkbüros gelegenen Gebäude fertigt die Kopien für 20 Cent pro Person an.
Zu Santa Cruz selbst kann ich nicht viel sagen, außer dass die Stadt einer riesigen Baustelle gleicht, deren tösender Lärm unsere von beschaulichen Wanderungen und der Ruhe unserer zur Finca gehörenden Banananplantage verwöhnten Ohren übelst beleidigt hat. Bloß weg hier.
Dienstag, 13.11.
Endlich — wir stehen dem höchsten Gipfel Spaniens zu Füßen, und zwar an der Cañadas-Straße (TF-21) bei Kilometer 40,5, wo wir unseren Mietwagen sicher abstellen können.
Ein faszinierender Sonnenaufgang bietet sich uns: Von einer Sekunde auf die andere wechseln die kargen Geröllhänge ihre Farbe von Nachtgrau nach Beigebraun. Die Sonnenstrahlen wärmen das Gesicht.
Nach ein paar hundert Metern über einen gut zu belaufenden Fahrweg erreichen wir die Teide-Eier (Huevos del Teide), mitunter mehrere Meter im Durchmesser dicke schwarze Steine. Eine Weile später wird der Weg steil und steiler. Der Untergrund wechselt von kiesig-sandig zu grob-geröllig. Das geht so bis Kilometer 8. Die letzten dreihundert Meter bis zum Gipfel-Kontrollposten verlaufen fast eben. Spaziergänger auf Flip-flops kommen uns entgegen; sie haben die bequeme Variante gewählt und sind mit der Seilbahn auf den Teide hochgegondelt.
Jetzt nur noch etwa 150 Meter in der Vertikalen, dann stehen wir auf dem Gipfel, atmen Schwefeldämpfe und genießen den 360-Grad-Blick. Durch die Wolken sind die Nachbarinseln Gran Canaria, La Palma und El Hierro schemenhaft zu erkennen. 3718 Meter über dem Meeresspiegel — ¡Caramba!
Das Panorama schafft uns so sehr, dass auch wir der touristischen Betulichkeit frönen wollen und den Abstieg per Seilbahn (12 € pro Person) wählen. Von der Talstation zum Parkplatz sind es noch gut 2,5 Kilometer entlang der TF-21. Zur Rechten breitet sich die riesige Caldera aus.
Fazit: Laufend kann man den Aufstieg nur bewältigen, wenn man mit der dünnen Höhenluft gut klarkommt und auch sonst sehr gut trainiert ist (schätzungsweise Marathon <2h50 inklusive exzellenter Kraftausdauer).
| Distanz | 8,8 km |
|---|---|
| Höhenmeter | +1370m, –9m |
| Dauer | Soll (netto): 4h20, Ist (brutto): 3h24 |
| GPS-Track | GPX |
Mittwoch, 14.11.
Die Rother-Tour 33 im Norden der Insel soll nur für nervenstarke Wanderer geeignet sein. Also hinein ins Vergnügen. Wandern entlang von Wasserkanälen kennen wir schon von La Palma. Hier müssen wir sogar stellenweise in ihnen gehen. Null Problem: Da ist schon seit Jahren kein Wasser mehr durchgeflossen. Das passt zum Namen: Canal Barranco Seco. Auf der ersten Streckenhälfte muss man sich mitunter ein wenig verrenken, um zwischen Kanal und dem darüber hängenden Felsen hindurch zu passen. Wer mehr als nur ein bisschen Tagesgepäck mit sich herumträgt, bekommt hier ernstzunehmende Schwierigkeiten mit der Balance.
Wir kommen durch die verschlafenen Bergdörfer Bejia und Batán de Abajo. Es ist uns unerklärlich, wie die hier lebenden Menschen so weit von jedweder Einnahmequelle entfernt ein Auskommen haben können. Umso erstaunlicher, dass die Bar in Batán de Abajo so gut besucht ist. Man schaut uns an, als seien wir Außerirdische, erwidert aber freundlich unsere obligatorische ¡Hola!-Begrüßung, die ich bei offensichtlich alteingessenen Omis und Opis noch mit einem ¡Bon día! ergänze, was stets gut ankommt.
Verzweifelt — und nach einiger Zeit auch verärgert — suchen wir den Abstieg in den Barranco del Rio, der uns durch den gleichnamigen Wasserkanal wieder zurück nach Punta del Hidalgo führen soll. Nach dreiviertelstündigem Herumirren finden wir ihn endlich. Da müssen die Autoren des Wanderführers dringend nachbessern.
Am Wasserkanal angekommen, verstehen wir endlich, warum die Tour nix für schwache Nerven sein soll: Die Felsüberhänge lassen so wenig Platz, dass man nur auf der Brüstung des Wasserkanals entlangkriechen kann, rechts der steil in die Tiefe abfallende Hang. Ein Abenteuer ist ja ganz nett, aber unser Leben wollen wir hier nicht aufs Spiel setzen, also wählen wir den ungefährlichen Abstieg durch den Barranco.
Kurz vor dessen Ende sehe ich ein rostiges Räderwerk, das ich unbedingt fotografieren will. Mit der Kamera vor dem Gesicht nähere ich mich — und übersehe dabei einen hüfthohen Feigenkaktus, dessen mehrere Zentimeter lange Dornen sich tief in mein Knie und mein Schienbein hineinbohren, wobei zwei davon abbrechen. Bei jedem Schritt piekst der untere Stachel mit höllischem Schmerz ins Fleisch. Zum Glück sind wir nur noch wenige hundert Meter vom Ziel entfernt. Im Krankenhaus von Tejina werden mir die Dornen mit einem Skalpell herausgeschnitten. Der im Unterschenkel ist gut zwei Zentimeter lang, der im Knie etwa einen. Insgesamt fünf Stiche verschließen die Wunden. Meine Leibärztin verbietet mir für die nächste Woche, bis die Fäden gezogen sind, das Plantschen im Atlantik. Schnief, in einer Woche sind wir schon wieder auf dem Weg ins nasskalte Deutschland.
Fazit: Für Läufer nur geeignet, wenn man den Abstieg durch den Barranco wählt. Anspruchsvolles Profil.
| Distanz | 10,8 km |
|---|---|
| Höhenmeter | +650m, –650m |
| Dauer | Soll (netto): 5h00, Ist (brutto): 4h27‡ |
| GPS-Track | GPX (ohne Umwege) |
| ‡) inklusive einer Dreiviertelstunde frustrierten Suchens des Abstiegs von Batán de Abajo in den Barranco del Rio | |
Donnerstag, 15.11.
Die Masca-Schlucht zählt zu den attraktivsten Wanderzielen auf Teneriffa. Keine Frage also, ob wir dahin müssen. Natürlich wollen wir nicht nur vom Ort Masca zum Strand hinab absteigen, sondern auch wieder hochkraxeln. Im oberen Teil hatten im August Brände gewütet. Bis in den Oktober hinein war die Strecke deshalb gesperrt. Die Aufräumarbeiten neigen sich aber dem Ende zu, die Strecke ist wieder freigegeben.
In der Schlucht erwarten den Wanderer kleine Palmenhaine, dichte Schilfwälder, plätschernde Bäche, die sich in ausgespülte Felsen mit Badewannencharakter ergießen, leichte Kletterpassagen über dicke glattgewaschene Steine, schroffe Felswände, deren Höhe einen zu erdrücken scheint, und am Ausgang ein teils felsiger, teils schwarzsandiger Strand.
Wer den anstrengenden Aufstieg scheut, kann mit dem Boot nach Los Gigantes zurückschippern, hat dann aber das Problem, wie er wieder in den Ort Masca zurückkommt, falls das Auto dort steht. Wir steigen natürlich hoch und freuen uns bereits auf den ersten Metern des Anstiegs auf das Eis, das uns oben erwartet, denn mittlerweile brennt uns die Sonne ganz schön in den Rücken.
Fazit: Beeindruckend, aber nicht so spektakulär, wie es in Wanderführern beschrieben ist. Für Läufer ungeeignet.
| Distanz | 13,8 km |
|---|---|
| Höhenmeter | +650m, –650m |
| Dauer | Soll (netto): 5h45, Ist (brutto): 3h57 |
| GPS-Track | GPX‡ |
| ‡) nur Abstieg, weil beim Aufstieg der GPS-Empfang so grottenschlecht war | |
Freitag, 16.11.
| Distanz | 9,7 km |
|---|---|
| Höhenmeter | +650m, –650m |
| Dauer | Soll (netto): 2h15, Ist (brutto): 3h26‡ |
| GPS-Track | GPX |
| ‡) inklusive einiger freiwilliger Umwege und inklusive dem im Rother-Wanderführer nicht vorgesehenen Rückweg von Taborno nach Las Carboneras | |
Samstag, 17.11.
Tour 13 vom 8.11. (ohne Umwege) alleine im Laufschritt in 2h24 (GPX).
Sonntag, 18.11.
Besuch des Mercadillo de Agricultura in Tacoronte. (Als Notiz, weil sich selbst unser Vermieter nicht mehr richtig erinnern konnte, wie man zu diesem sehr urtümlichen kanarischen Bauernmarkt kommt: Man nimmt die Abfahrt "Tacoronte" der Autopista del Norte und folgt den Wegweisern in den Ort Tacoronte hinein. Im Ort angekommen muss man nach einer Rechtskurve an der nächsten Kreuzung links abbiegen. Man nähert sich auf der Straße in nordöstlicher Richtung der Küste. Nach circa vier Kilometern erreicht man den Markt auf der rechten Straßenseite. Wegen der Menschenmassen ist er nur schwer zu übersehen. Auf der Suche nach einem Parkplatz muss man Kreativität und südländische Gelassenheit walten lassen. Sonntags von 8:30 bis 14 Uhr geöffnet.)
7 mal um die Bananenplantage der Finca San Pedro gelaufen (10,7 km, 555 HM, 1h05m42s)
Montag, 19.11.
An unserem letzten Wandertag wollen wir noch eine richtig lange Tour unternehmen. Wir entscheiden uns für die Erwanderung des Pico Viejo, des kleinen Bruders des Teide. Im Wanderführer ist sie als mittelschwer gekennzeichnet und soll sechs Stunden dauern. Dass wir die Zeit locker unterbieten können und dass selbst als schwer gekennzeichnete Touren keine größeren Probleme aufwerfen, wissen wir bereits von anderen Wanderungen nach dem Führer. Also sollten uns keine Schwierigkeiten erwarten.
Pustekuchen — nach einem nicht enden wollenden leichten Anstieg über festes Geröll geht der Wanderpfad ein paar hundert Meter unterhalb des anvisierten Gipfels in lockeres Tuffgestein über: anderthalb Schritte vorwärts, einer zurück. Eine endlose Qual, wenn man leichteres erwartet hat. Der Rother-Wanderführer hat die Schwierigkeit dieser Tour unserer Meinung nach viel zu niedrig eingestuft. Sie ist bedeutend anstrengender als die "schwarze" (sehr schwere) Strecke zum Teide vom vergangenen Dienstag.
Im Übrigen ist die Beschreibung im Rother ungenau, wie auch Berichte anderer Wanderer belegen. Wir sind trotz sorgfältigen Studiums der Beschreibung auf dem südlichen Gipfel des Pico-Viejo-Kraters (Pico Sur) gelandet und konnten uns selbst bei genauester Beobachtung der Umgebung während des Abstiegs nicht vorstellen, wie man beim Aufstieg zum westlichen Zipfel gelangen soll. Vielleicht klappts beim nächsten Mal …
Fazit: Grandiose Blicke in alle Richtungen, vor allem hinüber zum Teide. Für Läufer ungeeignet. Nur für Wanderer mit starkem Willen und guter Kraftausdauer zu empfehlen. Die bizarr-schöne Lava-Landschaft lohnt den Aufstieg.
| Distanz | 13,5 km |
|---|---|
| Höhenmeter | +1170m, –1170m |
| Dauer | Soll (netto): 6h00, Ist (brutto): 4h57‡ |
| GPS-Track | GPX‡ |
| ‡) zum Pico Sur; der Pico Viejo ist mit Umwandern des Kraters von der höchsten Stelle der Tour aus erreichbar (geschätzte Extrawanderzeit: eine Stunde) | |
Dienstag, 19.11.
Eine vertrauenswürdige Person hatte uns den Loro Parque wärmstens empfohlen. Dabei handelt es sich um einen ursprünglich als Papageienpark angelegten Tierpark in Puerto de la Cruz, der sich selbst als El "must" de Canarias bezeichnet. Nun ja, ein bisschen 08/15-Tourismus darf es ja ruhig mal sein …
Meine Vorahnung bewahrheitete sich leider: Die Delfin-Show wurde in der Dramaturgie und dem Einfallsreichtum locker von der Orcas-Show unterboten, die Seewolf-Show war immerhin ein bisschen lustig. Den Vogel hat allerdings die Papageien-Vorstellung abgeschossen: Zirkusklamauk der billigsten Sorte.
Erschwerend kam hinzu, dass sämtliche Vögel einzeln oder paarweise in erschütternd kleine Käfige eingesperrt waren, die ein Fliegen komplett unmöglich machen. Noch stärker drückte der Kloß im Hals beim Anblick des weißen Tigers, der neurotisch über die Wiese seines Geheges schlich. Eigentlich sollte er noch ein Weibchen bei sich haben, das war aber nicht zu sehen. Ähnlich bedrückte mich der Anblick der Gorillas, die den Besuchern missmutig ihr Hinterteil zeigten und sonst keinerlei Interesse am bunten Treiben außerhalb ihres Geheges zeigten.
Als große Attraktion wird auch das Acuarium angepriesen. Aber außer einem riesigen zylindrischen Tank, in dem tausende Sardinen herumschwärmen, einiger düsterer Aquarien mit geringer Artenvielfalt und einem nur wenige Meter langen Plexiglas-Tunnel, aus dem man die Haie von unten betrachten kann, gibt es nichts Spektakuläres oder wenigstens ansatzweise Besonderes zu sehen. Nein, ein "Muss" ist der Loro Parque wahrlich nicht. Die 30 Euro Eintritt pro Person investiert man lieber in ein paar Flaschen der guten und günstigen Rotweine aus Tacoronte oder Icod de los Vinos.
Gelähmt von der Enttäuschung haben wir unseren letzten Abend mit lieben Mitbewohnern der Finca bei reichlich Rotwein verklönt.
Mittwoch, 20.11.
Pünktlich ab halb neun genießen wir wie jeden Morgen (bis auf den der Teide-Tour) das letzte Frühstück am reichhaltig gedeckten Tisch. Bloß dieses Mal haben wir außer einem Besuch des Decathlon-Megastores in La Laguna rein gar nichts vor und verweilen so lange, wie es geht. Die Rucksäcke sind schon gepackt. Gegen halb elf Abfahrt Richtung Flughafen.
Autobahnabfahrt 7: La Laguna. Der Sportladen beeindruckt mich nachhaltig: Ein derartig breites und tiefes Sortiment hatte ich noch nie zuvor gesehen. Ob Wanderausrüstung, Laufbekleidung, Schuhe, Surf-Equipment — dort gibt es alles, was das Sportlerherz begehrt, und das dank eigener Marken auch noch sehr günstig. Ich hätte tausende Euro dort lassen können, doch ins Gepäck passten nur noch zwei Paar Laufschuhe, eine Sonnenbrille und drei Funktionsshirts ;-)
Am Flughafen haben wir am späten Nachmittag bei 27 °C im Schatten den Mietwagen abgestellt und für den Flug Shorts und T-Shirt gegen Jeans und Pullover getauscht. Eine gute Wahl, wie sich bei der Landung herausstellen sollte. 4 °C in Deutschland. Igitt, ich mag jetzt gar nicht mehr weiter schreiben …
Oliver Lau im November 2007
Letzte Änderung: $Date: 2009/09/04 11:15:02 $