Horizontale mit viel Vertikale

Geschafft!

Nach 14 Stunden 51 Minuten und 38 Sekunden auf der Horizontale (plus anschließende Rückfahrt von Jena nach Hause) habe ich mir knapp 12 Stunden in der Horizontalen gegönnt. Damit war der Samstag komplett im Eimer. Aber egal, die nächtliche 100km-Langstreckenwanderung rechts und links des mittleren Saaletals (genauer: um Jena) von Freitag auf Samstag war es wert. Die Beine fühlten sich dank der geringen mittleren Laufgeschwindigkeit von 6,7 km/h hinterher hervorragend an, viel besser als nach meinem deutlich zügigeren Rennsteiglauf am Wochenende davor.

Wie man vom Höhenprofil ablesen kann, geht es permanent rauf und runter, stellenweise sogar ziemlich steil — ein sardonischer Spötter, welcher in Anbetracht der mehr als 2100 zu überwindenden Höhenmeter den Namen der Horizontale ersann.

Leider gibts keine Fotos, weil ich die Kamera wegen des anfänglichen starken Regens und Ermangelung eines wasserdichten Behältnisses lieber im Auto habe liegen lassen. So schlimm ist das aber nicht, denn die ganz tiefen Einblicke ins Tal blieben den Wandersleut' wegen Nebels und tiefhängender Wolken eh verwehrt. Ohnehin war man die meiste Zeit damit beschäftigt, sich auf den geschätzten 60 Prozent Singletrails und 30 Prozent Waldboden (Rest Asphalt und sonstiges) nicht den Fuß zu verknacksen oder einen steilen Hang hinunterzukullern. Ich bin zwar schon anspruchsvollere Trails gelaufen, aber keinen (zumindest in Deutschland), der so abwechslungsreich und schön ist wie die Horizontale.

Lecker, lecker

Die Verpflegung war ebenfalls erstklassig: An den vier Verpflegungsstationen gabs jeweils Früchtetee, Cola und Wasser. An den beiden ersten bekam man einen Verpflegungsbeutel überreicht. Der eine war mit einer Tafel Schokolade, einer groben Räucherwurst, einem weißen Brötchen und einer Banane gefüllt, der andere erneut mit einer Tafel Schokolade sowie einem Apfel, einem Müsliriegel und einer Salzbrezel. Zudem gab es hie und da mit Wurst und Käse belegte Brote (jeweils liebevoll mit einer Gurkenscheibe garniert und angenehm sparsam mit Butter bestrichen), Schmalzbrote, Butterbrote mit Lauch, Marmeladen- und Nutella-Brote, Fruchtriegel, Gurkenstücke (frisch und eingelegt), Äpfel, Bananen, Brühe und ein paar Kleinigkeiten mehr.

Im Ziel hatten die Veranstalter ein geräumiges Festzelt mit mehr als ausreichend Sitzgelegenheiten aufgebaut. Außer der oben genannten Verpflegung reichten die Helfer dort frischen Kaffee und Instant-Suppe. Essen und Trinken wurde auf Wunsch von lieben Damen sogar an den Tisch gebracht — ein vorbildlicher Service.

Fünfzig Meter vom Zelt entfernt konnte man unter heißen Duschen duschen. Umkleidemöglichkeiten waren reichlich vorhanden, Parkplätze allerdings knapp. Mit der Abgabe des Chips bekam man sofort einen Ausdruck seiner Zwischenzeiten und die Urkunde sowie eine schmucke Anstecknadel. Top — für 20 Euro Startgeld zuzüglich 3 Euro Miete für den Sport-Ident-Chip.

Früh starten empfohlen

Wer mal so richtig gemütlich unterwegs sein will, dem kann ich die Wanderung wärmstens empfehlen. Ach ja, laufen darf man dort auch. Allerdings sind die Öffnungszeiten der Verpflegungs- und Kontrollpunkte auf eine mittlere Geschwindigkeit von rund 4 bis 7 km/h ausgelegt. Ein Tipp am Rande: Als Läufer sollte man sich ganz weit vorne in der über 800 Leute starken Horde einordnen, sonst wird es unweigerlich geschehen, dass man auf dem schmalen Höhenweg auf gänsemarschierende 5km/h-Gruppen aufläuft. Nur mit viel Müh' lässt sich Wanderer für Wanderer überholen. Ein paar hundert Mal "Könnte ich bitte rechts vorbei? — Danke." sagen, kann echt lästig sein. ;-)

24. Mai 2008 · Oliver Lau

Weitere Infos:

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